Firewall im Unternehmen
Firewall im Unternehmen: was sie leistet, was der BSI-Baustein NET.3.2 verlangt und worauf kleine Betriebe bei Auswahl, Regeln und Betrieb achten sollten.
Eine Firewall ist die Kontrollstelle zwischen Ihrem Firmennetz und dem Internet. Sie entscheidet nach festen Regeln, welche Verbindungen durchgelassen werden und welche nicht. Welche Firewall Unternehmen brauchen, hängt weniger vom Preis ab als davon, ob sie richtig eingerichtet und gepflegt wird.
Warum das Ihren Betrieb betrifft
Jeder Internetanschluss ist ständig automatisierten Zugriffsversuchen ausgesetzt. Gleichzeitig ist die Firewall selbst ein Gerät, das gepflegt werden muss, denn Lücken in Firewalls und VPN-Zugängen gehören zu den häufig ausgenutzten Einfallstoren. Der Router vom Internetanbieter enthält zwar eine einfache Schutzfunktion, ist aber selten für die Anforderungen eines Betriebs mit Server, Fernzugriff und mehreren Netzbereichen ausgelegt. Eine eigene Firewall gibt Ihnen Kontrolle darüber, was hinein- und was hinausgeht.
Was eine Firewall nicht kann
Sie schützt nicht vor allem. Öffnet ein Mitarbeiter eine schädliche E-Mail-Anlage, ist die Verbindung meist erlaubt, weil sie von innen ausgeht. Eine Firewall ersetzt daher weder Updates noch Virenschutz noch Schulungen. Sie ist ein Baustein unter mehreren.
Der nächste Schritt
Fragen Sie Ihren IT-Dienstleister drei Dinge: Wer ist für die Firewall zuständig? Gibt es eine dokumentierte Liste der freigegebenen Verbindungen? Und wann wurde die Firmware zuletzt aktualisiert? Wenn eine dieser Fragen offen bleibt, lohnt sich eine Überprüfung.
Aufgaben einer Firewall im Unternehmen
Eine Firewall kontrolliert den Datenverkehr zwischen Netzen mit unterschiedlichem Vertrauensniveau, in kleinen Betrieben vor allem zwischen Internet und internem Netz, zunehmend aber auch zwischen internen Segmenten. Moderne Geräte kombinieren mehrere Funktionen:
- Zustandsbehafteter Paketfilter: prüft Verbindungen anhand von Adressen, Ports und Protokollen und merkt sich den Verbindungszustand.
- Application-Layer-Gateway oder Proxy: prüft Inhalte auf Anwendungsebene, etwa Web- oder E-Mail-Verkehr.
- Zusatzfunktionen: VPN-Endpunkt, Filterung von Webadressen, Erkennung von Angriffsmustern, Virenprüfung. Diese Funktionen sind nützlich, erhöhen aber die Komplexität und den Pflegeaufwand.
Was der IT-Grundschutz verlangt
Der Baustein NET.3.2 «Firewall» beschreibt die Anforderungen. Zu den Basis-Anforderungen gehören unter anderem:
- Sicherheitsrichtlinie (A1) und festgelegte Firewall-Regeln (A2): Die gesamte Kommunikation zwischen den Netzen läuft über die Firewall. Es gibt eindeutige Regeln, welche Verbindungen erlaubt sind, alle anderen werden unterbunden (Allowlist-Ansatz). Zuständige für Entwurf, Umsetzung und Test der Regeln sind benannt, Entscheidungen werden dokumentiert.
- Filterregeln am Paketfilter (A3): grundsätzlich zustandsbehaftet filtern, auch für UDP und ICMP; ICMP und ICMPv6 restriktiv behandeln.
- Sichere Konfiguration (A4): nur zwingend benötigte Dienste, nachvollziehbar dokumentierte Änderungen, geschützte Konfigurationsdateien.
- Schutz der Administrationsschnittstellen (A6) und ein Notfallzugriff (A7).
- Protokollierung (A9) und Betriebsdokumentation (A14).
Als Standard-Anforderungen nennt der Baustein unter anderem eine P-A-P-Struktur (Paketfilter, Application-Layer-Gateway, Paketfilter), die Administration über ein gesondertes Managementnetz, Systemüberwachung sowie Revision und Penetrationstests. Ergänzend verlangt NET.1.1, dass Zonenübergänge zwischen internem Netz, DMZ und Außenanbindungen über eine Firewall abgesichert werden.
Auswahl: worauf es ankommt
Für kleine Betriebe sind sogenannte Next-Generation- oder UTM-Firewalls verbreitet, die viele Funktionen in einem Gerät bündeln. Bei der Auswahl helfen diese Fragen:
Funktionen und Leistung
- Beherrscht das Gerät VLANs und mehrere Zonen, damit Sie intern segmentieren können?
- Bietet es einen VPN-Zugang mit zeitgemäßen Verfahren und starker Anmeldung?
- Reicht der Durchsatz auch dann, wenn Inhaltsprüfung und VPN aktiv sind? Herstellerangaben gelten oft nur ohne diese Funktionen.
Pflege und Lebensdauer
- Wie lange liefert der Hersteller Sicherheitsupdates? Firewalls sind selbst ein häufiges Angriffsziel, Lücken in VPN-Komponenten werden regelmäßig ausgenutzt.
- Sind laufende Lizenzen (etwa für Signaturen) eingeplant? Ohne aktive Lizenz fallen manche Schutzfunktionen weg.
- Wer übernimmt Updates, Überwachung und Regeländerungen? Eine Firewall ohne Zuständigen veraltet schnell.
Regelwerk sauber aufbauen
Grundsätze
- Standard ist «ablehnen»: Erlaubt wird nur, was begründet benötigt wird.
- Eingehend so wenig wie möglich: Jede Portfreigabe ins interne Netz ist ein Risiko. Dienste, die aus dem Internet erreichbar sein müssen, gehören in eine DMZ oder zu einem Anbieter. Fernzugriff läuft über VPN, nicht über offene Ports für Fernwartungs- oder Remote-Desktop-Dienste.
- Ausgehend ebenfalls filtern: Server brauchen selten freien Internetzugang. Eine Begrenzung erschwert Schadsoftware das Nachladen und den Datenabfluss.
- Jede Regel hat einen Zweck: Kommentar mit Grund, Auftraggeber und Datum. Temporäre Regeln bekommen ein Ablaufdatum.
Regelmäßige Prüfung
Regelwerke wachsen mit der Zeit. Planen Sie mindestens jährlich eine Durchsicht ein: Welche Regeln werden nicht mehr genutzt? Welche sind zu weit gefasst? Gibt es Freigaben für Dienstleister, die nicht mehr tätig sind?
Ein Beispiel aus dem Alltag
Ein Betrieb mit zwölf Arbeitsplätzen nutzt eine Fachanwendung auf einem eigenen Server, ein Gäste-WLAN und einen VPN-Zugang für zwei Mitarbeitende im Homeoffice. Ein sinnvolles Regelwerk sieht in Grundzügen so aus: Aus dem Internet ist nur der VPN-Dienst der Firewall erreichbar. Clients dürfen ins Internet über Web- und E-Mail-Protokolle und zum Server über die Ports der Fachanwendung und der Dateifreigabe. Der Server darf nur zu den Update-Servern des Herstellers und zur Lizenzprüfung der Fachanwendung. Gäste kommen ausschließlich ins Internet. Die Verwaltungsoberfläche der Firewall ist nur von einem Administrationsrechner erreichbar. Jede dieser Regeln ist kommentiert, und alles andere wird abgelehnt und protokolliert.
Betrieb
- Updates: Firmware zeitnah aktualisieren, Sicherheitsmeldungen des Herstellers und des CERT-Bund verfolgen.
- Verwaltungszugang: Die Administrationsoberfläche nicht aus dem Internet erreichbar machen, Anmeldung mit Zwei-Faktor-Authentifizierung, wo möglich.
- Protokolle: Abgelehnte und erlaubte Verbindungen protokollieren und zumindest bei Auffälligkeiten auswerten.
- Sicherung der Konfiguration: Nach jeder Änderung eine Konfigurationssicherung ablegen, damit ein Ersatzgerät schnell eingerichtet werden kann.
- Notfall: Klären Sie, wie lange ein Ausfall der Firewall dauern darf und wie schnell Ersatz verfügbar ist. Ohne Firewall steht in vielen Betrieben der gesamte Internetzugang.
Grenzen
Verschlüsselter Verkehr ist für eine Firewall ohne Entschlüsselung weitgehend undurchsichtig. Eine Entschlüsselung (TLS-Inspection, im Baustein als «temporäre Entschlüsselung des Datenverkehrs» geführt) ist technisch möglich, wirft aber Fragen zu Datenschutz und Betriebsvereinbarungen auf und muss sorgfältig geplant werden. Angriffe über legitime Kanäle wie E-Mail oder gestohlene Zugangsdaten erkennt eine Firewall nur eingeschränkt. Sie wirkt am besten zusammen mit Netzsegmentierung, gepflegten Endgeräten und einer Protokollauswertung.
Häufige Fragen
Reicht die Firewall im Internet-Router?
Für ein Büro ohne eigene Server und ohne Fernzugriff kann sie ausreichen, wenn der Router aktuell gehalten wird. Sobald interne Netzbereiche getrennt, Server betrieben oder VPN-Zugänge angeboten werden, ist eine eigene, gepflegte Firewall die bessere Wahl.
Hardware-Firewall oder Software-Firewall?
Beides ergänzt sich. Die Netzwerk-Firewall schützt die Übergänge zwischen Netzen, die Firewall auf Rechnern und Servern schützt das einzelne Gerät. Der IT-Grundschutz sieht für Server zusätzlich lokale Paketfilter als Standard-Anforderung vor.
Wie oft sollten Firewall-Regeln geprüft werden?
Feste Intervalle nennt der Baustein nicht für alle Fälle. Bewährt hat sich eine Durchsicht mindestens einmal im Jahr sowie bei jedem Wechsel von Dienstleistern, Anwendungen oder Standorten.