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Wie sich der IT-Grundschutz weiterentwickelt

IT-Grundschutz verstehen4 Min. Lesezeit

Gibt es ein IT-Grundschutz-Kompendium 2025? Der aktuelle Stand: Edition 2023, Grundschutz++, Meilensteine des BSI und was Betriebe jetzt tun sollten.

Wer nach einem IT-Grundschutz-Kompendium 2025 sucht, wird beim BSI nicht fündig: Aktuell ist weiterhin die Edition 2023. Das BSI hat keine neuen Jahresausgaben mehr veröffentlicht, weil es den IT-Grundschutz grundlegend neu aufbaut. Das neue Modell heißt Grundschutz++.

Was sich ändert

Der bisherige IT-Grundschutz besteht aus Standards und einem umfangreichen Kompendium mit Bausteinen. Der Grundschutz++ soll schlanker und flexibler werden: Die Anforderungen werden an Abläufen im Betrieb ausgerichtet statt an einzelnen Geräten, und sie werden so veröffentlicht, dass Software sie direkt auslesen kann. Die bewährten Checklisten für kleine Organisationen aus dem WiBA-Weg sollen fester Bestandteil werden.

Was das für Sie bedeutet

Kein Grund zur Eile oder zum Abwarten. Der bisherige IT-Grundschutz bleibt laut BSI während einer mehrjährigen Übergangszeit anwendbar. Was Sie heute umsetzen, bleibt wertvoll: eine verantwortliche Person, eine Übersicht über Ihre IT, gesicherte Daten, aktuelle Updates und ein Notfallplan. Diese Grundlagen braucht jedes Modell.

Die wichtigsten Termine

Laut Zeitplan des BSI soll der Grundschutz++ ab Januar 2027 zertifizierbar sein. Zertifizierungen nach dem bisherigen IT-Grundschutz sollen bis Ende November 2031 möglich bleiben.

Der nächste Schritt

Arbeiten Sie mit dem weiter, was Sie haben, oder beginnen Sie mit der Basis-Absicherung oder den WiBA-Checklisten. Wenn ein Zertifikat geplant ist, klären Sie frühzeitig mit Ihrem Berater, nach welchem Modell.

Stand des Kompendiums

Die aktuelle Fassung ist das IT-Grundschutz-Kompendium Edition 2023, verfügbar seit dem 1. Februar 2023. Eine Edition 2024 oder 2025 ist nicht erschienen. Stattdessen hat das BSI angekündigt, den IT-Grundschutz zum Grundschutz++ (GS++) weiterzuentwickeln. Laut BSI bleibt die bisherige Version während einer mehrjährigen Übergangszeit anwendbar und wird weiter gepflegt; Errata und Drafts einzelner Bausteine können weiterhin erscheinen.

Was der Grundschutz++ ändert

Nach den Angaben des BSI auf seinen Seiten zum IT-Grundschutz und zum Grundschutz++:

  • Prozessorientierung: Der GS++ ist vollständig prozessorientiert. Die Anforderungen beschreiben lösungsunabhängige Prozesse; ihre Umsetzung soll dem Stand der Technik entsprechen.
  • Maschinenlesbare Regeln: Jede Anforderung wird als maschinenlesbare Regel erfasst. Das BSI spricht von einem digitalen Regelwerk in Form einer JSON-Datei.
  • Stand-der-Technik-Bibliothek: Anforderungen und Maßnahmen werden zentral in einer Bibliothek bereitgestellt, die das IT-Grundschutz-Kompendium ablöst. Sie wird auf GitHub veröffentlicht und befindet sich laut BSI in der Pilotphase. Mindeststandards des Bundes sind eng mit ihr verzahnt.
  • Leistungszahlen statt Stufen: Die Absicherungsstufen Basis, Standard und erhöhter Schutzbedarf werden durch flexible Leistungszahlen mit dynamischen Schwellwerten ersetzt.
  • WiBA als fester Bestandteil: Die im WiBA-Weg erprobten Checklisten werden integriert und sollen sich automatisiert an den Anwendungsfall anpassen lassen.

Methodik-GS++ und Anwenderkatalog

Der GS++ besteht aus zwei Teilen: der Methodik-GS++ als Ordnungsrahmen für Aufbau und Weiterentwicklung eines ISMS nach dem PDCA-Zyklus und dem Anwenderkatalog-GS++ mit technischen und organisatorischen Anforderungen, der Teil der Stand-der-Technik-Bibliothek ist. Das BSI hat einen Leitfaden zur Methodik veröffentlicht.

Meilensteinplan des BSI

Das BSI nennt folgende Meilensteine (Stand Oktober 2026):

Termin Meilenstein
1. April 2026 Start der Pilotierungsphase
31. August 2026 Ende der Pilotierungsphase
27. Oktober 2026 Vorstellung der Methodik-GS++ auf der it-sa 2026 in Nürnberg
30. November 2026 Veröffentlichung der neuen Schulungskonzepte
Dezember 2026 Veröffentlichung eines Anwendungsbeispiels
1. Januar 2027 Der GS++ ist zertifizierbar
1. Quartal 2027 Start der Early-Adopter-Phase sowie der Ausbildung zum GS++-Berater und GS++-Auditteamleiter für bereits zertifizierte Personen
26. Februar 2027 Leistungsmessung bei der Umsetzung des GS++
31. März 2027 Leistungskennzahlen im GS++
31. Dezember 2027 Ende der Early-Adopter-Phase
2027 ff. Internationalisierung des GS++
30. November 2031 Ende der Zertifizierbarkeit des IT-Grundschutz

Das Ende der Zertifizierbarkeit liegt laut BSI fünf Jahre nach der Veröffentlichung des GS++. Termine können sich verschieben; maßgeblich ist der jeweils aktuelle Plan auf der Seite des BSI.

Was das für bestehende Anwender bedeutet

Laufende ISMS nach IT-Grundschutz

Bestehende Sicherheitskonzepte bleiben gültig und können bis zum Ende der Übergangszeit weiter nach Edition 2023 gepflegt und zertifiziert werden. Sinnvoll ist, die Entwicklung zu verfolgen und den Umstieg bei einer ohnehin anstehenden Überarbeitung oder Rezertifizierung einzuplanen.

Neueinsteiger

Wer jetzt beginnt, muss nicht warten. Die Grundlagen bleiben in beiden Modellen gleich: Leitungsverantwortung, Geltungsbereich, Bestandsaufnahme, Schutzbedarf, Soll-Ist-Vergleich, Umsetzung und kontinuierliche Verbesserung. Für kleine Betriebe sind die WiBA-Checklisten ein Einstieg, der ausdrücklich in den GS++ übernommen werden soll.

Zertifizierungsvorhaben

Vor einem Zertifizierungsprojekt sollte mit Auditor und Berater geklärt werden, ob nach dem bisherigen IT-Grundschutz oder nach GS++ zertifiziert werden soll. Eine Zertifizierung nach bisherigem Modell ist nach dem Meilensteinplan noch bis Ende November 2031 möglich; für GS++ startet 2027 eine Early-Adopter-Phase, deren Bedingungen beim BSI zu prüfen sind.

Werkzeuge

Anbieter von ISMS-Tools müssen die maschinenlesbare Struktur übernehmen. Bei Neuanschaffungen lohnt die Frage nach einem Migrationsweg und nach Exportmöglichkeiten.

Was sich für die tägliche Arbeit voraussichtlich ändert

Aus den bisherigen Veröffentlichungen des BSI lassen sich einige Konsequenzen ableiten, deren Details mit der finalen Methodik zu prüfen sind:

  • Die Modellierung über Bausteine und Zielobjekte wird durch eine prozessorientierte Zuordnung ersetzt.
  • Statt der festen Stufen MUSS, SOLLTE und erhöhter Schutzbedarf steuern Leistungszahlen, welche Anforderungen greifen.
  • Werkzeuge können Anforderungen direkt aus der Bibliothek beziehen; manuelle Übertragungen aus PDF-Dokumenten entfallen.
  • Kleine Organisationen erhalten passende Checklisten, die aus dem Regelwerk erzeugt werden.

Einordnung

Die Modernisierung reagiert auf häufige Kritik am bisherigen Kompendium: großer Umfang, Textform, hoher Dokumentationsaufwand und schwierige Automatisierung. Ob der GS++ diese Ziele für kleine Betriebe erreicht, wird sich in der Praxis zeigen. Für die tägliche Arbeit gilt: Gute Sicherheitsmaßnahmen werden durch ein neues Regelwerk nicht schlechter, und eine saubere Bestandsaufnahme ist in jedem Modell die Grundlage.

Häufige Fragen

Gibt es ein IT-Grundschutz-Kompendium 2025?

Nein. Aktuell ist die Edition 2023. Das BSI entwickelt den IT-Grundschutz zum Grundschutz++ weiter, statt neue Jahresausgaben zu veröffentlichen.

Wann löst der Grundschutz++ den IT-Grundschutz ab?

Laut Meilensteinplan des BSI (Stand Oktober 2026) ist der Grundschutz++ ab dem 1. Januar 2027 zertifizierbar. Die Zertifizierbarkeit des bisherigen IT-Grundschutzes endet am 30. November 2031.

Lohnt es sich, jetzt noch mit dem bisherigen IT-Grundschutz anzufangen?

Ja. Er bleibt in einer mehrjährigen Übergangszeit anwendbar, und Grundlagen wie Bestandsaufnahme, Schutzbedarf und umgesetzte Maßnahmen bleiben auch im neuen Modell nutzbar.

Quellen