Smartphones und Tablets absichern
Smartphones und Tablets im Betrieb absichern: Grundregeln, Mobile Device Management, private Geräte, Apps und was bei Verlust oder Diebstahl zu tun ist.
Auf Diensthandys und Tablets liegen E-Mails, Kontakte, Fotos von Baustellen oder Patientenakten und oft der zweite Faktor für wichtige Zugänge. Ein Mobile Device Management, kurz MDM, hilft, diese Geräte zentral einzurichten, aktuell zu halten und bei Verlust aus der Ferne zu sperren oder zu löschen.
Warum das wichtig ist
Smartphones gehen schneller verloren als Laptops, werden häufiger privat mitgenutzt und erhalten Apps aus vielen Quellen. Ohne klare Regeln weiß niemand, welche Firmendaten auf welchem Gerät liegen.
Die Grundregeln
- Jedes Gerät hat eine Bildschirmsperre mit PIN, Passwort oder Fingerabdruck.
- Betriebssystem und Apps werden aktuell gehalten; Geräte ohne Updates vom Hersteller werden ersetzt.
- Apps nur aus den offiziellen Stores, mit kritischem Blick auf die verlangten Berechtigungen.
- Verlust oder Diebstahl wird sofort gemeldet.
- Dienstliche Daten werden von privaten getrennt.
Ab wann lohnt sich ein MDM?
Schon ab wenigen Geräten, sobald dienstliche E-Mails oder Kundendaten darauf liegen. Viele Cloud-Pakete für Unternehmen enthalten bereits eine Geräteverwaltung. Das BSI nennt MDM ausdrücklich als gute Möglichkeit zur Absicherung mobiler Arbeit.
Der nächste Schritt
Erstellen Sie eine Liste aller dienstlich genutzten Smartphones und Tablets, auch privater Geräte mit Firmenmail. Klären Sie dann mit Ihrer IT, wie diese Geräte zentral verwaltet werden können.
Grundlagen im IT-Grundschutz
Das IT-Grundschutz-Kompendium behandelt mobile Geräte in mehreren Bausteinen:
- SYS.3.2.1 «Allgemeine Smartphones und Tablets»: Grundanforderungen unabhängig vom Betriebssystem.
- SYS.3.2.2 «Mobile Device Management (MDM)»: zentrale Verwaltung.
- SYS.3.2.3 «iOS (for Enterprise)» und SYS.3.2.4 «Android»: plattformspezifische Anforderungen.
- APP.1.4 «Mobile Anwendung (Apps)».
In den WiBA-Checklisten des BSI ist das Thema unter «Mobile Endgeräte» zu finden.
Grundkonfiguration jedes Geräts
Sperre und Verschlüsselung
Eine Bildschirmsperre mit ausreichend langer PIN oder Passwort, ergänzt durch Biometrie, und eine kurze automatische Sperrzeit. Aktuelle Smartphones verschlüsseln den Speicher, sobald eine Sperre gesetzt ist; das sollte überprüft werden.
Updates
Das BSI empfiehlt, Updates zeitnah zu installieren und die automatische Update-Funktion zu nutzen. Bei der Beschaffung ist wichtig, wie lange der Hersteller Sicherheitsupdates zusagt. Neue Geräte sollten vor der Inbetriebnahme auf den aktuellen Stand gebracht werden.
Apps
Apps nur aus den offiziellen Stores der Hersteller, Berechtigungen kritisch prüfen und nicht benötigte Apps entfernen. Im Betrieb kann ein MDM festlegen, welche Apps erlaubt sind, und dienstliche Apps zentral verteilen.
Schnittstellen
Bluetooth, WLAN und Standortdienste nur einschalten, wenn sie gebraucht werden. Automatisches Verbinden mit offenen WLANs vermeiden.
Mobile Device Management
Was ein MDM leistet
- Geräte zentral registrieren und einer Person zuordnen,
- Sicherheitsrichtlinien durchsetzen, etwa Sperre, Verschlüsselung und Mindestversion des Betriebssystems,
- E-Mail, WLAN und VPN zentral konfigurieren,
- Apps verteilen, sperren oder entfernen,
- Updates überwachen und veraltete Geräte erkennen,
- verlorene Geräte orten, sperren oder löschen,
- den Zugriff auf Firmendaten nur von konformen Geräten erlauben.
Firmen- und private Geräte
Für Firmengeräte kann das MDM das gesamte Gerät verwalten. Für private Geräte, die dienstlich genutzt werden, sind getrennte Arbeitsbereiche das Mittel der Wahl: Android bietet ein Arbeitsprofil, Apple eine getrennte Verwaltung dienstlicher Daten bei privaten Geräten. Der Betrieb verwaltet dann nur den dienstlichen Teil und kann diesen gezielt löschen, ohne private Fotos oder Kontakte anzutasten.
Einführung
- Bestand erfassen: Welche Geräte greifen auf Firmendaten zu?
- Entscheidung treffen: nur Firmengeräte oder auch private Geräte mit Arbeitsbereich?
- Richtlinien festlegen: Sperre, Mindestversion, erlaubte Apps, Umgang mit Verlust.
- Geräte registrieren, beginnend mit denen der Geschäftsleitung und der Administration.
- Zugriff auf E-Mail und Cloud-Daten für nicht registrierte Geräte sperren.
Datenschutz und Transparenz
Ein MDM kann je nach Konfiguration Standort, installierte Apps oder Gerätedaten sehen. Mitarbeitende sollten wissen, was der Betrieb einsehen kann und was nicht. Bei privaten Geräten ist das besonders wichtig. Gegebenenfalls sind Datenschutzbeauftragte und Betriebsrat einzubinden.
Smartphone als zweiter Faktor
Häufig dient das Diensthandy als zweiter Faktor für E-Mail, VPN oder Cloud-Dienste. Geht es verloren, müssen die Konten trotzdem erreichbar bleiben. Deshalb gehören Ersatzfaktoren und ein geregelter Ablauf zum Zurücksetzen dazu. Das BSI empfiehlt, mehr als einen zweiten Faktor zu hinterlegen.
Verlust und Diebstahl
- Sofort melden, rund um die Uhr erreichbar.
- Gerät per MDM sperren und, wenn keine Aussicht auf Wiederfinden besteht, löschen.
- Passwörter der auf dem Gerät gespeicherten Konten ändern und Sitzungen beenden.
- Den Mobilfunkanbieter informieren, damit die SIM-Karte gesperrt wird.
- Prüfen, ob personenbezogene Daten betroffen und Meldepflichten zu beachten sind.
Ausmusterung
Vor Rückgabe, Weitergabe oder Verkauf werden Geräte vollständig auf Werkseinstellungen zurückgesetzt und aus dem MDM sowie aus den Konten der Hersteller entfernt. Andernfalls bleibt das Gerät für den neuen Besitzer gesperrt oder alte Daten sind noch zugänglich.
Beschaffung und Plattformwahl
Bei der Beschaffung entscheidet sich viel. Wichtig sind die Dauer der zugesagten Sicherheitsupdates, die Unterstützung durch das gewählte MDM und die Möglichkeit, Geräte direkt bei der Beschaffung für die zentrale Verwaltung zu registrieren. Hersteller und Händler bieten dafür Verfahren an, mit denen ein neues Gerät beim ersten Einschalten automatisch die Firmenkonfiguration erhält. Einheitliche Modelle vereinfachen Verwaltung, Ersatz und Support.
Messenger und Kommunikation
Messenger sind praktisch, aber dienstliche Kommunikation mit Kundendaten über private Konten ist kaum zu kontrollieren. Legen Sie fest, welcher Dienst für dienstliche Nachrichten genutzt wird, und sorgen Sie dafür, dass Inhalte beim Austritt einer Person beim Betrieb bleiben. Für vertrauliche Inhalte sollte ein Dienst mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gewählt werden, der zu Ihren Datenschutzanforderungen passt.
Typische Lücken
- Firmenmail auf privaten Handys ohne jede Verwaltung.
- Gemeinsam genutzte Tablets ohne Sperre, etwa in Werkstatt oder Lager.
- Alte Geräte ohne Updates, die als Zweitgerät weiterlaufen.
- Messenger-Gruppen mit Kundendaten auf privaten Geräten.
Diese Lücken lassen sich meist mit der ohnehin vorhandenen Geräteverwaltung schließen, sobald klar ist, welche Geräte überhaupt auf Firmendaten zugreifen.
Häufige Fragen
Was ist Mobile Device Management?
Eine Software zur zentralen Verwaltung von Smartphones und Tablets. Damit lassen sich Sicherheitseinstellungen durchsetzen, Apps verteilen, Updates überwachen und verlorene Geräte sperren oder löschen.
Darf der Arbeitgeber private Handys verwalten?
Üblich ist, bei privaten Geräten nur einen getrennten dienstlichen Bereich zu verwalten. Was der Betrieb einsehen kann, sollte transparent geregelt und mit Datenschutz und gegebenenfalls Betriebsrat abgestimmt sein.
Was tun, wenn ein Diensthandy verloren geht?
Sofort melden, per MDM sperren oder löschen, Passwörter der gespeicherten Konten ändern, die SIM-Karte sperren lassen und prüfen, ob personenbezogene Daten betroffen sind.